Die Schlacht von Verdun - ein Augenschein

 

 

Einleitung

Verdun – wer kennt diesen Namen nicht.

Verdun – ein Begriff, ein Mythos, eine Legende – steht für eine grosse Schlacht, für Krieg, Tod, Elend und sinnloses Leid für Mensch und dienende Kreatur – schwarz-weisse Bilder des Grauens tauchen auf, erscheinen unwirklich, stossen ab und regen an….doch wer weiss schon genauer was sich da, im Osten Frankreichs, zwischen 1914 und 1918 einmal abgespielt hat………

Diese "Wahnsinnsschlacht" zu erklären, falls überhaupt möglich, würde Bücher füllen und hat bereits zahlreiche Historiker, Fachexperten, Kenner und Autoren aller Couleur beschäftigt, Publikationen zum Thema sind vielerorts erhältlich, auch das Internet ist eine wahre Fundgrube….deshalb beschränken wir uns hier auf eine verständliche Zusammenfassung der wichtigsten Begebenheiten.

 

Rückblick, Geschichte der Stadt

Die Stadt Verdun spielte vor den bekannten Kämpfen eine nicht weniger gewichtige Rolle: Am 11. August 843 wurde hier zwischen den sich bekriegenden Söhnen Ludwigs des Frommen der Vertrag von Verdun geschlossen, der den Grund zur nationalen Scheidung zwischen Deutschland und Frankreich beinhaltete. Er schuf, mit dem Folgevertrag von Meerssen (im Jahre 870) die deutsch-französische Grenze, die sieben Jahrhunderte Bestand hatte.

Verdun gehörte fortan zum deutschen Reichsgebiet.

Es wurde ein bedeutender Handelsplatz für alle erdenklichen Waren – bis hin zu Sklaven. Die Verbindungen reichten vom Orient bis ins ferne Russland.

Bis 1552 war Verdun deutsche Reichsstadt. Als Folge des Schmalkaldischen Krieges wurde Verdun wieder französisch.

Als Moritz von Sachsen von der Seite Karls V. zu der protestantischen Seite zurückschwenkte und die politische Überrumpelung des Kaisers heimlich vorbereitete, forderte der in dem Plan einbezogene französische König Heinrich II. für seine Unterstützung die lothringischen Bistümer Metz, Toul, Verdun und das burgundisch-habsburgische Cambrai. Die protestantischen Fürsten stimmten zu, um sich aus ihrer misslichen Lage nach dem Krieg wieder zu befreien. Unter dem Vorwand nur als ‚Reichsvikar’ zu handeln, eignete er sich die Bistümer an und besetzte diese umgehend mit Truppen. Deutscherseits unternahmen die Fürsten nichts, um die Gebiete wieder zu gewinnen.

1792 änderte sich diese Einstellung, als das revolutionäre Frankreich einen Krieg provozierte. Die Stadt Verdun fiel am 2. September dem Herzog von Braunschweig in die Hände. Der weitere Kriegsverlauf war weniger erfolgreich: die entschlusslose Führung des Feldzuges, die ungenügende und selbsttäuschende Vorbereitung hat den Feldzug Friedrich Wilhelms II. ruhmlos ausgehen lassen.

Im deutsch-französischen Krieg behauptete sich Verdun anderthalb Monate – es fiel am 7. November 1870.

Der Ausbau zur permanenten Festung erfolgte in den letzten Jahren des 19. Jahrhunderts. Verdun sollte als Bollwerk die Stellung des im Krieg 1870/71 verloren gegangenen Metz einnehmen. Allerdings hatte es nie die Bedeutung – in jeder Hinsicht - der grossen Stadt an der Mosel einnehmen können.

Eine grössere und bedeutendere Rolle sollte Verdun nur wenige Jahre später spielen.

 

Der Erste Weltkrieg

Verdun war in dieser Zeit, insbesondere im Jahre 1916, einer der Orte die am schwersten umkämpft wurden. Hier wurde das bekannte Synonym der "Materialschlacht geboren, eine Schlacht, in der nicht mehr der einzelnen Soldat sondern nur noch das Material an Mensch und Eisen zählte.
Wer die meisten Mittel zum Einsatz bringen konnte, würde gewinnen. Und so war es dann auch.
Die Franzosen boten eine ungeheuerliche Masse an Soldaten und Kriegsmaterial auf und konnten letztendlich Verdun erfolgreich verteidigen.

In der bisherigen Geschichte war die Schlacht von Verdun die erste dieser Art, weitere sollten zwischen 1916 und 1918 folgen. Zu trauriger Berühmtheit gelangten die blutigen und verlustreichen Kämpfe in Flandern, an der Somme und in der Champagne.

Die Schlacht von Verdun begann am 21. Februar 1916 und dauerte, in der offiziellen Geschichtsschreibung, bis zum 15. Dezember 1916. In diesen rund 10 Monaten, fast ununterbrochen andauernden Kämpfen, verloren gegen 200.000 Soldaten beider Seiten ihr Leben. Fast die fünffache Zahl wurde verwundet.

Die Vorgänge bei Verdun werden gerne auf das Jahr 1916 beschränkt, dem Jahr in dem die Hauptkämpfe stattfanden. Fakt ist, dass hier zwischen 1914 und 1918 fast pausenlos gekämpft wurde. Es war mal ruhiger und mal heftiger.
Aber es lagen sich hier während der ganzen vier Kriegsjahre ständig deutsche und französische Soldaten gegenüber, die sich in irgendeiner Form bekämpften.

Die Ereignisse nahmen bereits wenige Wochen nach Kriegsbeginn ihren Anfang, als Ende August 1914 deutsche Einheiten nördlich von Verdun den Übergang über die Maas erzwangen.
Es kam zu heftigen Kämpfen, die allerdings überwiegend noch in der alten Schlachtenordnung, in den so genannten offenen Feldschlachten, stattfanden.

Nachdem der deutsche Vormarsch an der Marne im September 1914 gestoppt worden war, sich die Truppen auf eine befohlene Linie zurückgezogen hatten, begann der sogenannte Stellungskrieg. Auf beiden Seiten grub man sich förmlich in die Erde ein. Es wurden Schützengräben angelegt, Unterstände und Bunker gebaut; in den rückwärtigen Räumen entstand eine gut geplante und durchgeführte Logistik und Organisation bestehend aus Depots, Lagern und Verwaltungen.

Bis zum Beginn der eigentlichen Schlacht galt die Verdunfront als ‚ruhige’ Stellung. Es kam zwar zu gelegentlichen Scharmützeln zwischen beiden Parteien, aber in der Regel ereigneten sich nur sehr wenige Kampfhandlungen.
Ende 1915 begann sich eine Änderung abzuzeichnen.
Die deutsche Oberste Heeresleitung hatte sich entschlossen bei Verdun eine gross angelegte Offensive zu starten.

Warum gerade hier?
Für den Laien scheint es keine Rolle zu spielen, bzw. stellt  sich nicht die Frage, warum es  ausgerechnet dieser Abschnitt sein musste.Einige Worte der Erläuterung:
Verdun galt Seinerzeit als eine der stärksten Festungen in Frankreich. Gespickt mit zahlreichen grossen und vor allem kleinen Festungsbauten, die eine weit reichende und wirkungsvolle moderne Artilleriebewaffnung vorwiesen; aufgeteilt in mehrere Festungsgürtel, in denen sich kleinere Werke sowie unzählige Bunker und Batteriestellungen befanden, war  sie eine wirkungsvolle Waffe gegen einen Aggressor.

Einen Punkt angreifen, der quasi vor Waffen strotzte?
Die Deutsche Heeresleitung erwog tatsächlich die Franzosen an ihrem stärksten Punkt der gesamten Frankreichfront anzugreifen. Hintergrund war der Gedanke im Raume Verdun so viele französische Kräfte zu binden wie möglich, damit andere Frontabschnitte entlastet werden konnten.

Der OHL war bewusst, dass die Franzosen Verdun als ein "Objet de Prestige" sahen.
Frankreich würde diese Feste bis auf das Äusserste verteidigen, würde hier die letzte Patrone verschiessen und den letzten Mann einsetzen, die französische Armee sollte sich in Verdun verbluten – soweit die Annahme und die Pläne der deutschen Führung.
Ferner galt Verdun als Mittelachse der gesamten französischen Westfront, als Dreh- und Angelpunkt.

In Wirklichkeit war die "Feste Verdun“ Anfang 1916 nicht mehr das, was sie ursprünglich mal gewesen ist. Mit dem deutschen Vormarsch 1914 und der Zerschlagung der belgischen Festungen, die von der deutschen schweren Belagerungsartillerie förmlich zusammengeschossen worden war, ging der Glaube an diese Anlagen verloren. Selbst die wenigen modernisierten Forts wie Vaux und Douaumont suggerierten keinen sicheren Schutz mehr. Man war eher der Meinung, die Schlachten nicht an festen Punkten führen zu können. Die Folge war, dass Verdun und seine Anlagen zum Teil desarmiert wurden, d.h. es wurden Geschütze aus den Forts ausgebaut und an andere Frontabschnitte verbracht; die zahlreichen kleineren Werke wurden völlig vernachlässigt und nicht instand gehalten; die grossen hatten nur noch eine minimale Besatzung und die Stellungstruppen wurden an andere Frontabschnitte verlegt.

Aber all das wussten die Deutschen nicht.
Für sie war es immer noch das hochmoderne, Waffen strotzende Bollwerk, das Respekt erzeugte, das es mit maximaler Vorbereitung anzugreifen galt und dies mit einem bisher nicht gekannten Aufgebot an Artillerie, Munition und Truppen.

Ende 1915 begannen die Vorbereitungen für die Offensive. Soldaten und Material wurden binnen weniger Wochen im Raum Verdun massiv zusammengezogen. Es bildete sich eine, für damalige Verhältnisse, ungeheure Massierung an Artilleriegeschützen, weit über 1.200 Stück, im Halbkreis um die Festung. Kampferprobte Mannschaften besetzten die Linien der bisherigen Stellungstruppen. Diese Einheiten gehörten zur deutschen 5. Armee, die der Kronprinz Wilhelm befehligte.

Der Beginn war auf den 12. Februar 1916 angesetzt. Da an diesem Tage jedoch sehr schlechtes Wetter herrschte, wurde der Angriff verschoben. Eine kontrollierte Beobachtung des geplanten Artillerie-Vorbereitungsfeuers war so nicht möglich.
Unter den miesen Wetterverhältnissen litten auch die deutschen Truppen in der ersten Linie, hatten sie doch in ihren dicht belegten Unterständen und Stellungen vor allem mit der allgegenwärtigen Nässe und Kälte zu kämpfen.

Am 21. Februar 1916 herrschte dann hervorragendes klares Wetter. Am frühen morgen dieses Tages eröffneten die deutschen Geschütze mit einem bisher nicht da gewesen Trommelfeuer die Schlacht. Die französischen Stellungen versanken in Rauch und Feuer.
Am späten Nachmittag verliess die Infanterie ihre Ausgangspositionen und ging gegen die französischen Gräben vor.

Der ganze Akt war auf eine zuerst zurückhaltende Kampfführung ausgelegt. Nur relativ geringe Kräfte führten den ersten Stoss und sollten eine vorher festgelegte Linie erreichen. Wäre man massiv und real offensiv, ohne festes Ziel, mit dem Maximum der vorhandenen Truppen zum Sturm vorgegangen, die französischen Linien wären im Nu überrannt worden.
Zum einen waren die französischen Stellungen schwach besetzt und zum anderen hatten die Deutschen immer noch einen grossen Überraschungseffekt auf ihrer Seite.
So aber wurde der erste Angriff bewusst verzögert. Den Franzosen sollte ermöglicht werden, so schnell wie möglich frische Kräfte heranzuführen, um diese – wie bereits erläutert – dort zu binden und andere Frontabschnitte damit zu entlasten.
Ein weiteres Indiz dieser Taktik war, dass man nicht auf der gesamte Breite der Verdunfront gleichzeitig losschlug. Der Abschnitt war durch den Fluss Maas geteilt. Die Hauptbefestigungsanlagen befanden sich auf dem Ostufer; auf dem Westufer lagen die strategisch wichtigen Hügel "Höhe 304" und "Toter Mann" sowie einige kleinere Festungswerke.
Nur erfolgte auf dem Westufer vorerst überhaupt kein Angriff, sondern nur auf dem gegenüberliegenden.

Später kam man zu dem Ergebnis, dass, wenn man auf beiden Ufern gleichzeitig angegriffen hätte, die Festung mit Sicherheit gefallen und die hohen Verluste durch flankierendes Feuer der französischen Maas-West-Werke verhindert worden wären.
Das aber passte nicht in das Konzept der Ausblutung, wie es 1916 von der deutschen Führung vorgesehen war. Also ging man zu dieser verzögerten Kampftaktik über. Ein, wie es sich im Verlauf der Schlacht herausstellen sollte, fataler Fehler.
Kurzum, nach anfänglich grösseren Erfolgen, insbesondere in den ersten Tagen der Schlacht (Einnahme der grossen Waldgebiete nördlich Verdun; Fall des Forts Douaumont am 25. Februar 1916), entwickelte sich der Kampf immer mehr zu einem material betonten Kräfteringen. Die Franzosen zogen in der Tat schnellstmöglich Truppen und vor allem Artillerie in den Raum Verdun, welche bald dem deutschen Aufgebot ebenbürtig waren.

In der Anfangsphase der Schlacht gab es grosse taktische Versäumnisse, die, mögen sie auf Falkenhayns Ausblutungstheorie oder auf menschliches Versagen beruhen, die Kämpfe hätte abkürzen oder für sich entscheiden können. So war z.B. am 25. Februar 1916, dem Tag der Einnahme des Forts Douaumont, fast das gesamte östliche Maasufer von französischen Truppen geräumt worden. Auch das verzögerte Einsetzen des deutschen Angriffs auf dem Westufer (6. März 1916) fiel in diese Kategorie. Ob es so gewollt war oder nicht, man wurde schlussendlich vor vollendete Tatsachen gestellt.

Ab diesem Zeitpunkt konnte die Schlacht nicht mehr abgebrochen werden.
Von Tag zu Tag wurde Verdun nicht nur für die Franzosen sondern auch zunehmend für die Deutschen zu einem Prestigeobjekt.
Zum einen war es wichtig, möglichst viele französische Kräfte in Verdun gebunden zu halten und zum anderen wollte man sich die, im Verlauf der Schlacht, eintretende eigene und äusserst kräftezehrende Schwäche nicht eingestehen.
Die Folge war, dass beide Seiten bis zur sprichwörtlich, vollkommenen Erschöpfung kämpften, wobei die Franzosen, aufgrund ihres unwahrscheinlichen Einsatzes an Truppen, einer äusserst effektvollen Einsatzplanung der Kontingente und ihres überlegenen Materials letztendlich die Oberhand behielten. Dem deutschen Reich fehlten für diesen Wahnsinnskampf die nötigen Reserven und die entsprechenden Mittel. Der Mehrfrontenkrieg Deutschlands liess eine solche dauerhafte und anhaltende materielle und personelle Massierung, wie sie bei Verdun erforderlich war, nicht bewerkstelligen.

Die eingesetzten deutschen Stellungstruppen nutzten sich völlig ab. Monatelang lagen dieselben Divisionen im Raum Verdun, kamen nur kurz zur Ruhe und Auffrischung in die Etappe, um dann wieder und wieder an vordersten Front eingesetzt zu werden. Das zehrte nicht nur an den Kräften, sondern vor allem auch an der Moral der Truppe.

Die Franzosen ihrerseits hatten dieses Problem besser gelöst. Der Einsatz ihrer Verbände wurde sehr variabel gestaltet. Nur die wenigsten Einheiten waren länger als vier Wochen in diesen schweren Kämpfen eingesetzt. Danach wurde die Truppe aus dem Raum Verdun komplett herausgezogen.

Dies war ein eindeutiger moralischer und taktischer Vorteil gegenüber ihren deutschen Gegnern, die nicht selten monatelang an den schwersten Brennpunkten des Abschnittes eingesetzt waren und nur in frontnahen Lagern zu kurzer Ruhe kamen.

Verdun entwickelte sich für die deutschen Truppen zum Albtraum.

 

Man stelle sich vor was das für den einzelnen Soldaten bedeutete.
Er entwich aus der Hölle des durch die Kämpfe erlebten, war froh dieser entronnen zu sein und kam ein paar Tage zur Ruhe. Aber diese Ruhe war trügerisch. Die deutschen Lager befanden sich nicht weit genug entfernt von der Front. Selbst dort hörte man Tag und Nacht das schwere und fast ununterbrochene Hämmern des Artilleriefeuers der Front.
Es dauerte nicht lange und man
musste wieder in dieses Fegefeuer hinein, wieder und wieder. Eine auf Dauer ungeheure seelische Belastung war die Folge, eine die nicht nur auf die Moral schlug.

Einen Vorgeschmack auf das Kommende bekamen die deutschen Truppen Ende Mai 1916 zu spüren – die Franzosen gingen zur Offensive über und eroberten fast das für die Deutschen sehr wichtig gewordene Fort Douaumont, zurück.
Nur mit Mühen und durch Einsatz frischer bayerischer Kräfte, konnten die Franzosen wieder auf Distanz gebracht werden. Die Bayern nutzen ihren Abwehrkampf zum Positiven und gewannen obendrein weiteres Gelände in Richtung der späteren Brennpunkte Fleury - Thiaumont.

Anfang Juni gelang den Deutschen noch mal ein moralischer Erfolg mit der Einnahme des Forts Vaux.

Die Schlacht an sich hatte folgenschwere Auswirkungen auf den Gesamtablauf des Krieges. Um die Front bei Verdun zu entlasten, starteten Anfang Juli 1916 die Alliierten eine Offensive im Bereich des Flusses Somme in Nordfrankreich.
Dieser Angriff entwickelte sich zu einer weiteren, noch heftigeren Materialschlacht. Hundettausende von Franzosen, Deutschen und Engländern verloren dabei ihr Leben.
Der Geländegewinn der Alliierten war, entgegen des ungeheuren Einsatzes an Menschen und Material, sehr gering. Aber die Sommeschlacht verfehlte zumindest ihre beabsichtigte Wirkung nicht.
Die Deutschen waren gezwungen zahlreiche Truppen und Material, insbesondere Artillerie, von der Verdunfront abzuziehen und nach Nordfrankreich zu verlegen, um dem alliierten Angriff entgegenzutreten.
Zu diesem Zeitpunkt begann sich auch das Blatt zugunsten der Franzosen im Abschnitt Verdun zu wenden. Die abgekämpften deutschen Einheiten wurden zunehmend in die Defensive gedrängt. Letzte, vergebliche Versuche der Deutschen im Hochsommer 1916, Verdun doch noch erreichen, brachten Teilerfolge, scheiterten aber letztendlich an mangelnden Reserven und unter grossen Verlusten.
Zu nennen wären hier die Kämpfe am 23. Juni und 11. Juli 1916 im Bereich Fleury – Thiaumont.

Zum grossen Gegenschlag holten die Franzosen Ende Oktober 1916 bei Verdun aus. In einer breit angelegten Offensive gelang es ihnen binnen weniger Stunden, die Deutschen aus deren so blutig und mühevoll eroberten Stellungen zu werfen und sie weit zurückzudrängen.
Wichtige Stützpunkte auf dem Ostufer sowie frontnahe Nachschubbasen, wie das Fort Douaumont, gingen verloren.

Zwei Monate später erfolgte der nächste Schlag der Franzosen. Mitte Dezember 1916 erfolgte ein weiterer schwerer Angriff gegen die deutschen Stellungen auf dem Ostufer. Dieser führte soweit, dass die deutschen Linien teilweise bis in den Bereich der Ausgangsstellungen vom Frühjahr 1916 zurückgedrängt wurden. Hunderte Soldaten beider Seiten fielen, Tausende gingen in Gefangenschaft und Unmengen an Material ging verloren.

Mit dem 15. Dezember 1916 endete die Schlacht um Verdun in der Geschichtsschreibung offiziell.

Doch die Kämpfe setzten sich natürlich weiter fort denn man konnte die Schlacht nicht gänzlich stoppen.
Bei früherer Kriegsführung wäre dies wohl möglich gewesen:
Die Parteien trafen sich in einer offenen Feldschlacht, kämpften gegeneinander und der Unterlegene zog sich vom Schlachtfeld zurück, der Sieger rückte in der Regel nicht nach. Im modernen Stellungskrieg ging dies nicht mehr.

Das Jahr 1917 verging mit einer grossen Anzahl von beiderseitigen kleineren Unternehmungen.
Deutscherseits versuchte man in einer Form von räumlich begrenzten Aktionen wieder nach und nach Gelände zu gewinnen. Für eine grössere Offensive waren jedoch keine Kräfte mehr vorhanden. Fortdauernde Kämpfe an anderen Frontabschnitten hatten die Truppen ausgedünnt und eine Auffrischung der Einheiten war nur noch im begrenzten Masse möglich.
Hinzu kam der ständig steigende Mangel an Kampfmitteln: Der Artillerie schrieb man bestimmte Schussraten vor; die kämpfende Truppe konnte nur noch mangelhaft aufmunitioniert, verpflegt und ergänzt werden.

Alle diese Umstände zwangen zu lokal begrenzte Aktionen, die letztendlich keinen Nutzen mehr hatten.
So wurden Patrouillen wurden ausgeschickt, die Gefangene machen sollten, um die Stärke der gegenüberliegenden Franzosen zu ermitteln; einzelne gegnerische Grabenstücke wurde erobert, oder einfach nur durch Sprengungen zerstört; französische Stützpunkte ausgehoben und beseitigt.
Nicht selten wurde bei solchen Aktionen die Plünderung der gegnerischen Schützengräben erwähnt, denn die Franzosen waren mit den Grundnahrungsmitteln besser versorgt, als die Deutschen.

Die Franzosen ihrerseits verhielten sich in ihren Stellungen, auf dem Ostufer relativ ruhig; auf dem Westufer tobten die schwereren Kämpfe, besonders in den Abschnitten Toter Mann – Höhe 304 mit unverminderter Stärke an.
Für die Franzosen zählte jedoch die Tatsache, dass sie die kaiserlichen Truppen aus dem unmittelbaren Bereich der Festung Verdun vertrieben hatten und diese in entsprechendem Abstand hielten.
Die zwischenzeitlich gesunkene Kampfmoral der Deutschen und die damit verbundenen Möglichkeiten der militärischen Auseinandersetzung waren ihnen sicherlich auch nicht verborgen geblieben.

Im Sommer 1917 lebten die Kämpfe allerdings wieder auf.

Noch immer sassen die deutschen Einheiten auf dem Westufer der Maas auf beherrschenden Höhenzügen, die ihnen einen weiten Einblick in das französische Hinterland in diesem Bereich ermöglichten.
Im August wurden sie allerdings durch einen Grossangriff der französischen Truppen endgültig von dort vertrieben.

Ende 1917 trat Amerika in den 1. Weltkrieg ein und überflutete Frankreich förmlich mit frischen und wohl bestens ausgerüsteten Soldaten. Die Quellen sprechen von über 1 Million.
Die amerikanische 1. Armee unter General Pershing schlug im Bereich Verdun im Herbst 1918 mit einer entscheidenden Offensive los. Zuerst ging der dem Verdunabschnitt benachbart gelegene grosse Bereich des Argonnerwaldes verloren, dann richteten sich die Angriffe gegen das westliche Maasufer, welches die Deutschen schliesslich, aufgrund des grossen Feinddrucks, räumen
mussten.
Sie hatten diesem neuen, ausgeruhten und unverbrauchten Gegner nichts mehr entgegen zu setzen.

Zwar waren die Angriffe der Amerikaner nicht besonders geschickt und deren Verluste entsprechend hoch, doch waren diese von einem ungeheuren Materialeinsatz begleitet, der die verzweifelt und tapfer kämpfenden Deutschen, trotz aller Gegenwehr, immer weiter zurückdrängten.

Bei den deutschen Einheiten herrschte in jeder Hinsicht Mangel.
Material und gut ausgebildete, frische Ersatzkräfte waren und blieben ein gewichtiges Problem. Der anhaltende Rohstoffmangel des deutschen Reiches spielte eine weitere sehr wichtige Rolle. Vier Jahre Krieg hatten Deutschland wirtschaftlich völlig in die Knie gezwungen. Der für die Truppen eintreffende Ersatz war nur noch mangelhaft ausgebildet und von sehr geringem Kampfwert. Hinzu kamen die zunehmend politischen Einflüsse aus der Heimat, welche die Moral der Truppe weiter untergrub. Das deutsche Volk war definitiv kriegsmüde.

 

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Info zum chronologischen Ablauf der Schlacht:

21. Februar 1916 Beginn des Angriffs der deutschen 5. Armee gegen Verdun
25. Februar 1916 Einnahme des Fort Douaumont durch Teileinheiten des Infanterie-Regiments Nr. 24 General Pétain übernimmt die Verteidigung Verduns
6. März 1916 Beginn des deutschen Angriffs auf dem Westufer
30. April 1916 Pétain wird Oberbefehlshaber der Heeresgruppe Mitte. General Nivelle übernimmt die französische 2. Armee bei Verdun
8. Mai 1916 Explosionskatastrophe im Fort Douaumont
20. Mai 1916 Einnahme des "Toten Mann" durch die Deutschen
22. Mai 1916 Französischer Gegenangriff erreicht das Fort Douaumont
7. Juni 1916 Fort Vaux kapituliert
21.-23. Juni 1916 Deutsche Offensive auf dem Ostufer (Einnahme von Fleury und Thiaumont)
1. Juli 1916 Beginn der englisch-französischen Offensive an der Somme
11.-12. Juli 1916 Deutsche Offensive auf dem Ostufer (weitester Vorstoss bis in den Bereich Fort Souville)
28.-29. August 1916 Rücktritt General von Falkenhayns vom Amt des Generalstabschefs. Hindenburg und Ludendorff übernehmen die Oberste Heeresleitung
2. September 1916 Befehl zur Einstellung des Angriffs auf Verdun
24. Oktober 1916 Wiedereinnahme des Forts Douaumont durch die Franzosen
15. Dezember 1916 Französische Gegenoffensive auf dem Ostufer. Offizielles Ende der "Schlacht um Verdun" (Pétain)
20.-22. August 1917 Die Franzosen erobern den "Toten Mann" und die Höhe 304 zurück
12.-14. September 1918 Amerikanische Offensive gegen den St.Mihiel-Bogen
26.-29. September 1918 Amerikanische Offensive gegen den Argonnerwald und das Westufer der Maas
11. November 1918 Waffenstillstand

 

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Nach dem Krieg und Gegenwart

Nach dem Krieg begannen die Aufräumungsarbeiten auf dem Schlachtfeld und der Wiederaufbau der Stadt Verdun. Im Auftrag der französischen Regierung machten findige Geschäftsleute mit den Überresten der Schlacht viel Geld. Insbesondere war das zahlreich herumliegende Buntmetall, speziell die aus Kupfer bestehenden Geschosszünder, aber auch Material aller Art, wie Waffen und Ausrüstungsgegenstände, bares Geld.

Zu den Arbeiten die getan werden mussten zählte aber auch die Bergung der abertausend unbestatteten Leichen, die immer noch auf dem Schlachtfeld lagen.
Behörden, wie der französische Etat Civil kümmerte sich um diese traurige Aufgabe. Zahlreiche neue Friedhöfe entstanden. Die Angehörigen dieser Organisation bestanden zum Teil aus deutschen Kriegsgefangenen, die sich durch diese Tätigkeit eine Erleichterung ihrer Bedingungen versprachen. Sie bargen die Leichen, versuchten diese anhand der vorgefundenen Papiere oder der Erkennungsmarken zu identifizieren und verbrachten die Toten auf die dafür vorgesehen Friedhöfe.

Später wurde Verdun das Ziel zahlreicher Touristen. Neue Hotels entstanden und bescherten der Stadt an der Maas einen bescheidenen wirtschaftlichen Aufschwung. Ehemalige Weltkriegsteilnehmer und Interessierte aus aller Welt besuchten die ehemaligen Kampfstätten. Die Beweggründe waren sehr unterschiedlich.
Aber auch in den heutigen Tagen hat der ‚Touristenstrom’ nicht nachgelassen nur das Klientel hat sich geändert.
In den einzelnen Besuchsstätten, zu denen unter anderen die Forts Douaumont und Vaux, das Beinhaus und das Memorial de Fleury zählen, werden die Ereignisse der Kämpfe erläutert, aber auch Pazifismus vermittelt.

Das ehemalige zentrale Schlachtfeld auf dem Ostufer, das nach dem Krieg zur sogenannten "Roten Zone" erklärt wurde, sollte in seiner "Ursprünglichkeit" belassen werden und der Nachwelt als Anschauungsobjekt und Mahnmal erhalten bleiben.
Wie kaum an einem anderen Ort spürt und sieht man hier, was ein Krieg zwischen den Völkern anrichten kann.

Im diesen Bereich befanden sich einst auch vier Dörfer, die nach dem Krieg nicht wieder aufgebaut wurden. Sie hiessen Douaumont, Vaux, Ornes und Bezonvaux.
Diese zerstörten Ortschaften sollten nicht nur als Anschauungsobjekt erhalten bleiben, sondern konnten aus ökonomischen Gründen schon gar nicht mehr aufgebaut werden: Der Boden war durch die Geschossgase auf Jahre kontaminiert, das Grundwasser durch Kampfmittelreste und Leichen verseucht.

Das Schlachtfeld birgt noch eine weitere Gefahr, die es nur auf den wenigsten ehemaligen Kampfstätten gibt.
Nirgendwo sonst liegt so viel ungeborgenes Kriegsmaterial herum wie hier. Sicherheitsvorkehrungen diesbezüglich, wie in Deutschland üblich, gibt es hier nicht. Trotz der Aufräumungsarbeiten nach dem Krieg kommt aufgrund der Erosion immer wieder altes Material ans Tageslicht, ein Prozess der wahrscheinlich nie aufhören wird.
Ein Touristenführer erzählte mal in den 80er Jahren, dass pro Quadratmeter in Verdun rund 30 bis 40 Tonnen Stahl in Form von Munition niederging.
Ein Wert über den man sicherlich streiten kann, der aber an manchen Stellen des ehemaligen Schlachtfeldes durchaus realistisch ist.

Dieser Umstand hat negative Folgen und dies in mehrfacher Form.
Es zieht Munitions- und Materialsammler an, die das Schlachtfeld nach entsprechenden Souvenirs absuchen. Obwohl diese Suche unter drastische Strafen gestellt ist und von den örtlichen Behörden, wie Forstverwaltung (ONF), Polizei, Gendarmerie und Zoll verfolgt wird, blüht diese Tätigkeit seit Jahrzehnten.
Neben der negativen Auswirkung für seriöse Forscher, die nicht selten mit dieser Klientel verwechselt werden, kommt es immer wieder zu tragischen Unfällen durch unachtsamen Umgang mit Fundmunition. So gab es in den vergangenen Jahren zahlreiche Tote. Die logische Konsequenz sind schärfere Kontrollen, insbesondere an Personen die nicht wie normale Touristen bekleidet sind und die sich nicht auf den üblichen Wegen befinden.

Werfen wir noch einen Blick auf die Stadt Verdun:
Sie wurden in den vergangenen Jahren umfangreich modernisiert.
Die triste und graue Atmosphäre der Stadt, die in ihrer Entwicklung in den 60er Jahren des vergangenen Jahrhunderts stehen geblieben zu sein schien, hat sich erfreulich verbessert. Fussgängerzonen und Industriegebiete mit grossen und bekannten Firmen sowie Einkaufszentren entstanden. Zahlreiche Hotels in Verdun und im näheren Umland, laden den Besucher zum Verweilen ein.
Das Management des Tourismuswesens wurde auch verbessert, bedarf allerdings einer weiteren dauerhaften Modernisierung. 

In der Stadt finden sich ebenfalls zahlreiche Sehenswürdigkeiten:
Kathedrale, Bischofspalast (in dem sich heute ein Friedensmuseum mit wechselnden Ausstellungen befindet), Zitadelle, Rathaus, Stadttore, Siegesdenkmal und zahlreiche andere Denkmäler lohnen auf alle Fälle einen Besuch.

Im Umkreis von Verdun bietet sich an, weitere ehemalige Schlachtfelder des 1. Weltkriegs zu besuchen. Der Argonnerwald, weiter westlich die Champagne und südlich der Bereich um St. Mihiel sind für den Interessierten erreichbare Tagesziele.

 

Epilog

Verdun - wurde für rund 200.000 Soldaten beider Nationen zum Grab.

Verdun - eine moderne Materialschlacht, in der, wie es der Name schon sagt, nicht der Mensch, sondern das Material dominierte, das Sterben oft lang und grausam war.

Der Tod war nicht immer ein sauberer und schmerzloser Schuss ins Herz, jener, in der damaligen Öffentlichkeit so gerne propagierte Heldentod für Kaiser und Vaterland.

Verwundete lagen oft tagelang stöhnend, wimmernd, um Hilfe flehend oder in Agonie erstarrt vor den Stellungen und Gräben…..konnten von ihre Kameraden wegen des ständig prasselnden Feuers nicht geborgen ….konnten aus Stellungen nicht zurückgeschafft werden…..erstickten zusammen mit anderen Unglücklichen in eingeschossenen Unterständen……wurden auf den Rückmarschrouten einfach nicht mitgenommen und liegegelassen.

Hunderte starben still, alleine, einsam, grausam verstümmelt, unbemerkt von ihren Leidensgenossen in irgendwelchen, den Stellungen abseits gelegenen Granattrichtern oder ertranken in mit Wasser gefüllten Gräben.
Viele Leichen wurden nie gefunden, konnten nicht geborgen werden.
Noch heute liegen auf diesem räumlich begrenzten ehemaligen Schlachtfeld rund 10 bis 20.000 Tote. Ihre genaue Zahl lässt sich unmöglich beziffern.

Oft geschah es während der Kämpfe, dass man die Gefallenen provisorisch in der vordersten Linie verscharrte. Das fast ununterbrochen währende Artilleriefeuer aber legte diese Unglücklichen immer wieder frei oder zerstreute ihre in Stücke gerissen Leiber in alle Winde.
In Berichten von Teilnehmern konnte man lesen, dass sie bei neuen Stellungsbauten oft auf Leichenteile stiessen.
In den Verlustlisten wurden diese Toten unter einem einzigen Wort geführt: vermisst.

Eine weitere, ebenfalls äusserst unangenehme Begleiterscheinung des Todes war der immerwährende Leichengeruch auf dem Schlachtfeld während der Kämpfe, insbesondere in den Sommermonaten.
Den Berichten zufolge, muss dieser Umstand absolut schrecklich gewesen sein.
Ein ehemaliger Kampfteilnehmer beschrieb die Situation sinnbildlich folgendermassen:
Alles riecht nach Leichen, die Luft, die Kleidung sogar das Essen schmeckt danach. Es wurde ständig geraucht, um den bestialischen Gestank zu neutralisieren.
Es war ein furchtbarer Zustand, den man heute nur schwer nachvollziehen kann und ganz bestimmt auch nicht möchte.

Man sollte sich bewusst sein, dass Verdun nach wie vor ein einziger riesiger Friedhof ist.
An machen Stellen gibt das Schlachtfeld auch in diesen Tagen noch Reste der ehemaligen Kämpfer frei….........Beinknochen, Wirbel, Rippen………

 

 

Der Besucher von heute sollte sich diese Tatsachen immer vor Augen halten. Spätestens beim Gang über einen der grossen Soldatenfriedhöfe erkennt man die Masse und Bedeutung der genannten Zahlen und dies obwohl es nur ein Friedhof von vielen ist.

 

(sk) Stephan Klink, (at) Andrea Treuthardt

 

 

 

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